Sicherheit am Dach – ÖN B 3417

Die ÖNORM B 3417 wurde mit 15.5.2016 neu veröffentlicht. Sie regelt die Planung und Ausführung von ständigen Sicherheitsausstattungen auf Dächern, sowie die Planung von temporären Maßnahmen bei späteren Arbeiten auf Dächern. Die ÖNORM enthält zudem Bestimmungen über die Montage und deren Dokumentation, über die Nutzung sowie über die Prüfung von Sicherheitseinrichtungen.

Die Überarbeitung der ÖN B 3417 war einerseits aufgrund der neuen PSA-Verordnung notwendig geworden und es gab einigen Verbesserungs- und Präzisierungsbedarf aus Anwender- und verwaltungsrechtlicher Sicht. Wesentlich ist, dass auch die Neufassung Konzepte für eine sinnvolle Ausstattung von Dächern enthält, die späteres Arbeiten auf Dächern unter sicheren und gesetzeskonformen Bedingungen ermöglicht. Im Zuge der Überarbeitung wurden sinnvolle, praxisgerechte Änderungen für die ständige Sicherheitseinrichtung auf Dächern eingeführt. Zudem wurde auch geregelt, unter welchen Bedingungen temporären Maßnahmen anstelle ständiger Sicherheitsausstattung geplant werden können.

Im Regelfall sind Dächer mit ständigen Sicherheitseinrichtungen auszustatten, die Planung von temporären Maßnahmen ist theoretisch immer möglich, aber nur unter bestimmten Rahmenbedingungen normkonform. Die Norm gilt auch bei Dachsanierungen, sofern es sich um ganze Dachflächen handelt. Es besteht jedoch keine Nachrüstungspflicht z.B. bei kleineren Reparaturen. Im Wesentlichen sollen die Einrichtungen einen sicheren Zugang zum Dach ermöglichen und natürlich den Absturz vom bzw. den Durchsturz durch das Dach verhindern. Werden Einrichtungen geplant, die den Einsatz von PSA benötigen (Anschlagpunkt, Seilsysteme etc.), so sind sie – wenn immer möglich – als Rückhaltesystem zu konzipieren, da ein Sturz in das Seil erhebliche Sicherheitsrisiken birgt.

Wie bisher definiert die Norm vier Ausstattungsklassen:

  • Klasse 1: Einzelanschlagpunkte
    Typische Anwendung: Steildächer und Flachdächer bis 150 m²
  • Klasse 2: Seil- / Schienensystem und Belichtungselemente Durchsturzsicher
    Typische Anwendung: Flachdächer
  • Klasse 3: Seitenschutz/Geländer
    Typische Anwendung: Semi-Intensive Gründächer oder Anlagen mit großer Wartungshäufigkeit
  • Klasse 4: Ausführung gemäß Bauordnung / OIB
    Typische Anwendung: Terrassen

Bei der Wahl der Ausstattungsklasse sind insbesondere die Art und die Dauer der zu erwartenden Arbeiten, die Anzahl der gleichzeitig am Dach beschäftigen Personen und deren Ausbildung sowie die vorherrschenden Umgebungsbedingungen zu berücksichtigen. Sollen auch Personen bzw. Arbeitnehmer ohne PSA-Schulung und ohne Rettungskonzept auf Dächer eingesetzt werden, so ist generell Ausstattungsklasse 3 (also Geländer, Abgrenzung etc.) zu planen!

Neben den in den 4 Klassen definierten Ausstattungsmerkmalen wurden zusätzlich u.a. folgende Punkte geregelt:

  • Flachgeneigte Dächer unter 5° sind vorzugsweise mit Brüstungen, Umwehrungen oder Abgrenzungen auszustatten, zumindest jedoch mit horizontalen Anschlageinrichtungen (Seilsysteme) die wo immer möglich, als Rückhaltesystem konzipiert sind.
  • Dächer mit Solar- oder PV-Anlagen, sind nach Ausstattungsklasse 3 zu planen, sofern von einer mehrmals jährlichen Schneeräumung ausgegangen werden muss.
  • Dächer mit nicht durchbruchsicherer Eindeckung sind mit horizontalen Anschlageinrichtungen auszustatten. Eindeckungen auf Lattung gelten aus durchsturzsicher, sofern der Lattenabstand max. 40 cm beträgt und die in der Norm angegebene Mindestdimension eingehalten wird.

Während die Ausstattung der einzelnen Klassen weitgehend unverändert blieb, wurde die Zuordnung zu den jeweiligen Nutzungsszenarien (Klassifizierung) wesentlich geändert. Den rechtlichen Rahmenbedingungen folgend, wurde die bisherige normative Matrix in eine Auflistung umgewandelt und in einen informativen Anhang verschoben.

Temporäre Sicherungsmaßnahmen werden nur für die jeweilige Arbeitssituation aufgebaut und nach Abschluss der Arbeiten wieder entfernt, sind also nicht dauerhaft mit dem Gebäude verbunden. Der Gesetzgeber lässt zu, dass im SiGe-Plan temporären Sicherungen in vielen Fällen auch anstelle einer ständigen Ausrüstung (z.B. Anschlagpunkte) vorgesehen werden dürfen.

Der Norm legt im Pkt. 6. fest, unter welchen Bedingungen temporäre Maßnahmen geplant werden können und was dabei zu berücksichtigen ist. Dies kann z.B. die Häufigkeit der Arbeiten, Anzahl der gleichzeitig arbeitenden Personen, Ausbildungsstand der Personen, die das Dach betreten werden usw. sein. Temporäre Maßnahmen sind bei Dächer mit regelmäßigen, in engen Intervallen anfallenden Arbeiten, bei intensiv begrünten Dächern oder bei häufig zu erwartender Schneeräumung in der Regel nicht ausreichend.

Die Norm enthält außerdem (teils neue) Bestimmungen über die Dokumentation der Montage, den Aushang und die Prüfung von ständigen Sicherheitseinrichtungen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist u.a. die Bestimmung, dass eine Prüfung nicht generell jährlich durchzuführen ist. Wird die Anlage nicht ständig benützt, reicht es, wenn eine Prüfung vor der jeweiligen Benutzung durchgeführt wird.